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Artikelnummer: Regal 2 Nummer 279 Kategorien: , , ,

Eigentlich könnte man die Gedanken für den Tag, besser gesagt zum Buch, mit einem großen DANKE an Manfred Chobot beginnen – und auch schon wieder beenden: „In 116 Tagen um die Welt“, erschienen bei Löcker. Danke. Danke für diese Informationen. Von Seite zu Seite wird der Traum von der großen Kreuzfahrt, der Schiffsreise um die Welt entblättert. Die Verklärung des leuchtenden Schwanes, der lautlos durch die großen Meere zieht, die Traumreise, die das eigene Glück erst perfektioniert, wie es Fernsehserien evozierten, beginnt spätestens mit diesem Logbuch matt zu werden. Besser gesagt: Die Reisenden ermatten. „Die Gefahr, auf Kreuzfahrten süchtig zu werden“ besteht beim Ehepaar Manfred und Dagmar Chobot jedenfalls nicht (mehr).

Früher waren Kreuzfahrten ein Eldorado für ältere, betuchte Damen, die eine bequeme Reisemöglichkeit suchten, bei der sie ohne Hotelwechsel die Welt in angenehmer Atmosphäre kennenlernen konnten. Zudem war gesellschaftlicher Anschluss leicht möglich. Manfred Chobot erlebt auf seiner Reise nicht nur den möglichen gesellschaftlichen Anschluss an 1098 Mitreisende, er erfährt auf der „Cara“ auch von großen Dramen, so z.B. muss ein Ehepaar aus Köln nach sechs Wochen den Rest der Kreuzfahrt stornieren, weil deren 5jähriger Enkel sehr geweint habe wegen der Befürchtung, dass die Großeltern nicht an seinem Geburtstagsfest anwesend sind. Schlimmer kann es für kreuzfahrende Großeltern ja gar nicht kommen. Und „natürlich hat er jegliche Priorität, weshalb wir den weiteren Teil der Weltreise storniert haben.“

Wie grotesk sich eine derart lange Kreuzfahrt gibt, erfährt man z.B. auch über den Kurzbericht zum 75. Seetag: Die Kreuzfahrenden erleben abwechslungsreiche Stunden auf hoher See mit einem Vortrag über die Supernova von Dr. Hartmut Renken, Berichten zur Entstehung ihres Australienfilms von Silke Schranz und Christian Wüstenberg sowie Erläuterungen zu hartnäckigen Gelsen und Kängurufußtritten und, weil es der 31. Dezember ist, gibt’s bis Mitternacht eine Show mit Feuertänzern und jonglierenden Fackeln. Und das Walzer-Potpourri darf nicht fehlen, um das neue Jahr startklar zu machen. Sonst wäre das ganze neue Jahr mit dem linken Fuß aufgestanden.

Natürlich wird auch in Häfen angelegt, 40 an der Zahl, Inseln und Städte besichtigt, Kreuzfahrt heißt ja auch, kreuzen, kreuz und quer, nicht nur am Meer, sondern auch an Land. Schließlich gab es seit je her ja auch Kreuzritter, welche sich mit Erkundungen vergnügten. Diese heißen jetzt nicht mehr Fremdenführer, sondern Animateur oder Under- oder Entertainer.
61.533 Kilometer, besser gesagt, 33.225 Seemeilen sind genug, genug auch der vielen abenteuerlichen Begegnungen, genug der Erlebnisse, der Beobachtung wie eine Revolution entsteht, sagte sich das Ehepaar Chobot nach dieser Reise. Vieles war schön. Vieles Scheinschön. Trotzdem wird es immer wieder Leute wie Sigrid und Karl geben, welche dem schönen Schein erliegen: „Die Weltreise war ein Traum…. die Gestaltung und Organisation waren perfekt, mir fehlen fast die Worte…“ Nach der Lektüre des Logbuches stellt man sich Fragen. Nicht nur nach dem Sinn des Lebens. Lesen Sie das Logbuch. Vielleicht werden Sie danach kreuzfahrtsüchtig. Oder das Gegenteil.

Quelle: www.chobot.at

anfred Chobots Eltern betrieben einen Lebensmittelgroßhandel am Yppenmarkt. In seiner Jugend war Chobot erfolgreicher Schwimmer und wurde 1965 sogar Staatsjugendmeister. Nach der Matura begann er ein Studium der Kulturtechnik, das er aber nicht abschloss. Chobot begann 1965 literarische Texte zu schreiben. Er fand Anschluss an die Wiener Literaturszene, lernte etwa Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Elfriede Gerstl sowie Peter Henisch kennen, schloss sich dem (informellen) Arbeitskreis “Literaturproduzenten” an und publizierte ab 1971. Gemeinsam mit seiner Frau Dagmar eröffnete Manfred Chobot im selben Jahr eine Galerie, das “Atelier Yppen”, die seit 1983 am heutigen Standort Domgasse 6 als “Galerie Chobot” firmiert.

In den 1970er-Jahren war Manfred Chobot Mitarbeiter der von Günther Nenning herausgegebenen Jugendzeitschrift “Neue Freie Presse”. 1972 wurde Chobot freier Mitarbeiter des ORF und gestaltete für Ö1 und Ö3 Sendungen wie das Radiomagazin “Musikbox” oder Straßeninterviews für “A Day in a Life”. Außerdem schrieb er Radio-Features und arbeitete für das Büchermagazin “ex libris” sowie für das “Radiokolleg”. Chobot verfasste rund 50 Hörspiele, nicht nur für den ORF sondern auch für den Hessischen Rundfunk, den Süddeutschen Rundfunk, Radio Bremen und die RAI.

Von 1977 bis 1982 war Manfred Chobot Redakteur der Zeitschrift des Theaters der Jugend “Neue Wege”. Von 1991 bis 2004 gab er die einzige Lyrikreihe Österreichs heraus, nämlich die Bände 51 bis 100 der Reihe “Lyrik in Österreich”. Als Rezensent arbeitete Chobot für die Zeitschrift “Buchkultur”. 1990 war er einer der Mitbegründer des “Ersten Wiener Lesetheaters und Zweiten Stegreiftheaters”. Eindrücke, die der Autor auf mehreren Hawaii-Reisen zwischen 1995 und 2002 gewinnen konnte, flossen in die beiden Bücher “Maui fängt die Sonne – Mythen aus Hawaii” (2001) und “Aloha – Briefe aus Hawaii” (2008).

Daneben schreibt Chobot nach wie vor Lyrik, Erzählungen, Romane sowie Kinderbücher und ist als Herausgeber bzw. Rezensent literarischer Texte tätig. Auf Lesereisen, Festivals und Kongressen, die ihn bislang von Bangladesch über Frankreich und Irland bis nach Guatemala führten, präsentiert Manfred Chobot seine Texte. Einige seiner Bücher wurden in insgesamt mehr als ein Dutzend verschiedener Sprachen übersetzt. Quelle: Geschichte Wiki Stadt Wien)

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